Achim – Einmal den QR-Code am hinteren Schutzblech scannen, Bezahlmethode auswählen – und los geht’s: mit dem geliehenen E-Bike aus der Fahrradstation von Achim bis nach Bremen. Klingt in der Theorie einfach, allerdings ist die Praxis dann doch eine andere, wie ich gleich zu Beginn feststellen muss. Dabei steht der Plan fest: Es geht darum, Radmobilität in und um Achim unter die Lupe zu nehmen, für mich als exzessive Auto-Pendlerin mit 120 Kilometern am Tag eine besondere Herausforderung.
Ein Blick auf die Karte mit der eingezeichneten Premiumroute 1, dem Radweg, der einmal Verden und Bremen miteinander verbinden soll, macht es von vornherein deutlich: Es ist kompliziert. Während der sich der Abschnitt zwischen Achim-Baden und Verden laut Website der Radregion Bremen noch im Konzeptstadium befindet, ist der Part zwischen Baden und der Bremer Innenstadt ein Sammelsurium aus fertiggestellten, im Bau befindlichen und geplanten Abschnitten. Damit ist er für mich ein Radweg mit dem Charakter einer Wundertüte.
Doch für den Test brauche ich ein Fahrrad – um an eines heranzukommen, lade ich mir die „Moin Mobil“-App auf mein Smartphone, in der sämtliche Mobilitätsangebote in Achim gebündelt sind, darunter auch das Bikesharing. Ich habe Glück an diesem Tag: Genau ein E-Bike ist gerade im „Radhaus“ neben dem Rathaus verfügbar.
Der Zutritt zur Fahrradstation ist denkbar einfach und lässt sich über die App regeln. Bei der Ausleihe sieht es schon etwas anders aus. Natürlich braucht es eine Bezahlmethode, allerdings ist der Bankeinzug nichts für Spontane, denn die Freischaltung dauert einige Tage. Zwei Kreditkartenversuche später habe ich grünes Licht, das Fahrradschloss springt auf. Ich kann das Rad herausziehen.
Die Bedienung ist einfach: An einem Griff ist die Drei-Gang-Schaltung, an dem anderen eine Klingel, der Sitz ist höhenverstellbar und natürlich sind da die Handbremsen. Mehr zu verstellen, zu drücken oder zu ziehen gibt es nicht. Der Akku ist offenbar voll, jedenfalls leuchten alle Punkte auf der Anzeige grün. Das Smartphone klemme ich in die stabile Halterung am Lenker. Dann geht es los, zunächst auf Umwegen zum Badener Bahnhof und von dort auf einen der ersten fertigen Abschnitte der Premiumroute.
Die ist wirklich Premium: zwei Spuren, deutliche, grüne Markierungen auf dem Asphalt und markierte Zufahrten, wo das Fahren richtig viel Spaß macht. Vor allem mit dem E-Antrieb des Fahrrads geht es zügig über den Asphalt, und auch die Abschnitte durch den Achimer Straßenverkehr zwischen Borsteler Landstraße und dem Bahnhof sind gut zu fahren. Die Route ist selbst dort durch die grüne Markierung am Fahrbahnrand deutlich zu erkennen.
Zum Glück hat das Fahrrad Offroad-Qualitäten. Hinter dem Achimer Bahnhof wird aus dem Asphaltuntergrund ein Trampelpfad, der mich nach Bierden führt. Dort, am Sportplatz, endet meine Fahrt vorerst an einer Baustellenbake, Schilder leiten mich fort von der Route. Hinter der Bake befindet sich der Abschnitt der Premiumroute bis zum Spielplatz Morgenland im Bau. Mir bleibt daher nur die Umleitung an der Bremer Straße und dann an der Uphuser Heerstraße entlang, bis mich die Schilder auf Höhe des Hotels Haberkamp wieder rechts Richtung der Hauptroute lotsen.
Es geht endlich weiter auf der Premiumroute – aber die Freude ist kurz: Wenige Meter hinter der Autobahn endet sie in einer Sackgasse. Eine weitere Beschilderung? Fehlanzeige. Aber ich will nach Bremen. Also behelfe ich mir mit Google Maps und suche mir meinen Weg durch das Gewerbegebiet am Bremer Kreuz. Wenig später erreiche ich den Bahnhof Bremen Mahndorf, wo ich beschließe, dass mich meine Testfahrt nun wieder zurück nach Achim führen soll. Denn auch zwischen Mahndorf und Bremer Innenstadt ist die Premiumroute nur in Fragmenten vorhanden.
Zurück geht es zügiger, da ich Umleitungen und Sackgassen inzwischen auf dem Schirm habe.
Ich erreiche das „Radhaus“ in Achim, schiebe das Rad wieder in die Halterung und verriegle
es. Gut eineinhalb Stunden bin ich unterwegs gewesen und habe in etwa 30 Kilometer
zurückgelegt. 12,50 Euro werden dafür nun fällig, verrät die App. Die Fahrt auf den fertigen
Abschnitten hat wirklich Laune gemacht–und macht Hoffnung auf eine durchgängige Verbindung. Ob die, trotz aller aktuellen Bauarbeiten, am Ende auch so kommen wird, oder die Gleiserweiterung der Bahn dem Ganzen doch noch erst einmal wieder einen Strich durch die Rechnung macht, bleibt abzuwarten.
Quelle: NINA BAUCKE – Achimer Kreisblatt (17.07.2026)